Interview Kathrin Marter

Josi: Huhu liebe Kathrin! Wir freuen uns sehr, dass Du Teil unseres Teams hier im Gesundheitshaus Cracauer66 bist. Erzähl doch mal, wer bist Du?

Kathrin: Ups, das ist eine schwierige Frage, beziehungsweiße ist die Antwort eine komplexe. Ich hab da mal eine Wortwolke vorbereitet. Solche Wortwolken mache ich auch regelmäßig mit meinen Coachees, damit sie wahrnehmen und realisieren können, dass sie mehr sind, als Zuschreibungen oder sogenannte Schubladen wie ‚Student*in‘, ‚typisch Frau‘, ‚typisch Mann‘, Mutter, Tochter, Angestellte*r,…

Auf meiner Visitenkarte steht ich bin promovierte Verhaltensneurobiologin, Systemische Coach, Wissenschaftsautorin, Expertin für Ressourcen-Management, Karriere- und Persönlichkeitsentwicklung & Strategisches Netzwerken, Yogalehrerin, Trainerin und Wanderführerin.

Wer bin ich und wenn ja wieviele. Erstellt mit mentimeter.com

Josi: Was macht Frau denn so als promovierte Verhaltensbiologin?

Kathrin: Während meiner Zeit als Doktorandin in Berlin habe ich an der Honigbiene die molekularen Grundlagen von Lernen und Gedächtnis erforscht; also wie die Biene und auch wir lernen und unter welchen Umständen sie/wir wann, in welchen Teilen des Gehirns, wie ein Gedächtnis bilden, wie wir es behalten und unter Umständen auch wie wir es wieder loswerden können (z.B. Traumata).

Nach der Doktorarbeit bin ich dann 2014 nach Magdeburg gekommen. Hier habe ich den Modellorganismus gewechselt und mit Taufliegen (Drosophila) weitergeforscht, weil Fliegen sich, anders als die Honigbiene, genetisch manipulieren lassen. Wir haben hier eine Fliege ‚entwickelt‘, von der wir nach dem Lernen sehen konnten, welche Proteine wo neu synthetisiert wurden um das neue Gedächtnis ‚aufzubauen‘.

Josi: Und wie bist Du zum Yoga gekommen?

Kathrin: Ich war massiv gestresst. Es ging mir nicht gut. Ich habe viel zu viel gearbeitet, zu wenig geschlafen, hatte häufig Bauch- oder Kopfschmerzen, eine latente Cranio-Mandibuläre Dysfunktion vom nächtlichen Zähneknirschen,…

Mein Stresslevel hatte etwas mit mir selbst zu tun; z.B. mit Ehrgeiz und Disziplin, aber auch viel mit den Systemen, in denen ich mich bewegt habe; Arbeitssysteme, die eine ungesunde Lebensweise eher fördern, oder gar erwarten, in denen man/frau ohne Ehrgeiz (bis hin zur Aufopferung) und Disziplin (ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit) vermeintlich keine Chance hat. Zu den institutionellen und systemischen Folgen der Arbeitsbedingungen im Wissenschaftssystem gibt es auch gerade einen lauten Aufschrei in den Medien (#IchBinHanna), zu dem auch ich einen Blogartikel geschrieben habe.

So kam ich auf die Yogamatte und so wurde ich auch zur Systemischen Coach: Um die Rolle der Systeme von Symptomträger*innen zu hinterfragen und letztere aus Erschöpfung, Ohnmacht und Krankheit (wieder) in ihre Kraft zu bringen.

Dauerhaft mit den eigenen Werten und Zielen in Kontakt zu bleiben, bei Herausforderungen gegebenenfalls neu zu justieren, zu fokussieren, die eigenen Bedürfnisse, Ressourcen und Gefühle immer wieder im Blick zu haben, dabei unterstützt der Yoga und die Meditation.

Mit der Zeit kommt dann vieles wieder ins fließen, erst im Innen, mit der Zeit als Konsequenz auch im Außen. Was nicht fließt, passt in der Regel auch nicht mehr oder man/frau hat Ressourcen sich selbst zu helfen und das Hindernis oder die Herausforderung zu überwinden, zu lernen und zu wachsen ohne gesundheitlich schaden zu nehmen.

Letztlich hat die Neurobiologie mit ihren Lerntheorien und (system-) psychologischen Grundlagen mit dem Yoga sehr viel gemeinsam. Der Yoga ist ja ein uraltes Philosophie-System, das uns dazu anhalten und anleiten möchte Körper, Psyche und emotionales System besser wahrzunehmen und zu verstehen, letztlich ‚irgendwie anders‘ Verantwortung für das eigene (Un-)Glück zu übernehmen und werte-basiert gesund und zufrieden zu sein oder zu werden.

Page Break

Text Box

Josi: Was bedeutet der Yoga für Dich?

Text BoxKathrin: „Spüre wie Dein Körper hier auf dem Boden liegt. Vertraue zunächst einmal der Berührung Deines Körpers mit der Unterlage“ sind zwei der Schlüsselsätze die ich kennen lernte, als ich selbst vor einigen Jahren zum ersten Mal auf der Yoga-Matte lag. Seitdem ist es um mich geschehen. Diese regelmäßige Auszeit und tiefe Entspannung bringt so viel gesunde Distanz zwischen mich und meinen Alltag im digitalen Zeitalter, das einfach vieles klarer wird. Ich (tausende andere Yogin*is berichten es ebenso) spüre, dass ich viel stärker mit mir selbst und den eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Zielen verbunden bin und dadurch auch viel mehr Sinn im eigenen Leben entsteht. Es fällt so auch im Alltag leichter sich abzugrenzen und/oder auch im richtigen Moment zur richtigen Sache ja zu sagen oder sich einzusetzen. Die Entspannungs- und später auch die Erholungsfähigkeit werden trainiert und sorgen dafür, dass das eigene Stresslevel, sowie dir Gründe für den Stress konstruktiver angegangen werden können.

Josi: Du hast auch gerade ein Buch über Stress geschrieben.

Kathrin: Ja, es ist in den letzten Zügen. Das Cover steht, die ISBN ist vergeben. Es geht bald in die Herstellung im wissenschaftlichen Springer-Verlag. Es heißt ‚Du bist, was dich stresst! Tabula Rasa für chronisch Gestresste im digitalen Zeitalter.‘ Unter anderem der Yoga hat mich dazu inspiriert aus neurobiologischer und psychologischer Sicht über unseren Stress zu schreiben, darüber wie er zu Stande kommt und warum es so schwer ist, ihn zu beobachten und mit ihm umzugehen. Unser Stress hat viel mit uns zu tun und ist gleichzeitig eine Systemleistung. Aus den gesellschaftlichen Zwängen, starken Emotionen und Widerständen der Systeme heraus, ist es schwer eine andere Perspektive einzunehmen und das aus unternehmerischer Sicht kurzfristig gewinn-bringende Hamsterrad zu verlassen. Wer nun aber ein riesengroßes (z.T. generationsübergreifendes) Langzeitgedächtnis für das eigene Verhalten in diesen Systemen und für die Idee ‚ich bin nicht gut genug‘ und/oder ‚ich darf nicht schwach sein‘ hat, der*die hat auch kaum noch Ressourcen eine andere Wahrheit anzunehmen und sich mit der eigenen Entspannungs- und Erholungsfähigkeit, Gesundheit, Zufriedenheit etc. zu beschäftigen. Um solche systemisch-induzierten, von uns weiter verstärkten Glaubenssätze und ihren Effekt auf unsere körperliche, psychologische und emotionale Gesund- und Krankheit geht es im Buch. In jedem Kapitel gibt es auch Anwendungsaufgaben zur Reflexion der eigenen Situation und des eigenen Stresslevels.

2021_05_17_marter_T1_sc_03 (1)

Kathrins Buch. Bald im Handel. Hoffentlich auch mit Lesung bei uns im Gesundheitshaus Cracauer 66.

Josi: Was heißt denn Tabula Rasa?


Kathrin
: Der Begriff Tabula Rasa stammt von dem Philosophen John Locke (1632 – 1704) aus der Zeit der Aufklärung. Er vertrat die Auffassung, der menschliche Verstand wäre bei der Geburt ein unbeschriebenes Blatt, eine Tabula Rasa und alles was wir werden und sind, hängt von den Erfahrungen ab, die wir im Laufe unseres Lebens machen. Mit dem Behaviorismus und seinen Hauptvertretern Watson und Skinner erhält die ‚Tabula Rasa‘ Einzug in die moderne Psychologie. Mit Hilfe der lerntheoretischen Modelle der klassischen und operanten Konditionierung lassen sich Lernen und Gedächtnis erklären und empirisch erforschen.

Stress, Stressoren und Prozessen der Langzeitgedächtnisbildung sind nicht unwesentlich an unserem chronischen Stresslevel und Leid beteiligt. Langzeitgedächtnisse, die, häufig schon in der Kindheit geformt, starke negative Glaubenssätze beinhalten. Diese negativen Glaubenssätze erfahren durch die Herausforderungen der digitalen Welt permanente Verstärkung und begünstigen dadurch chronischen Stress – mit seinen für viele Menschen spürbaren Folgen. Da lohnt es sich zu schauen, was wir denn so über uns und die Welt glauben und wenn wir es herausgefunden haben, mal Tabula Rasa zu machen. Das kann bedeuten, sich von der Idee (dem negativen Glaubenssatz) zu lösen, ‚nicht gut genug zu sein‘, oder Dinge zu müssen, zu brauchen oder ‚nicht zu dürfen‘…

Josi: Wie passen all Deine Kompetenzen zusammen?

Kathrin: Ein ganzheitlich gesundes, erfülltes Leben zu führen ist mehr als Yoga, mehr als ein Job, mehr als Meditation usw. Den ganzen Tag im Kopfstand zu stehen, zahlt uns die Miete nicht und nimmt uns deshalb auch die Existenzangst nicht. Die Kunst ist es einen werte-orientierten, gesunden Alltag zu führen, in dem wir für die Dinge die wir wichtig finden ziel- und sinnverbunden leistungs- und handlungsfähig sind.

Für das Zentrieren und Fokussieren, das Regenerieren und die Stärkung von Körper und Geist biete ich den Yoga und die anderen Bewegungs- und Entspannungskurse (z.B. Wandern, Pilates, Wirbelsäulengymnastik, Faszientraining, Meditation) an.

Systemisches Coaching und therapeutische Beratungen können dabei Heilprozesse unterstützen.

Workshops und Seminare, z.B. zum Strategischen Netzwerken (zum gezielten, strategischen Aufbau eines stabilen Systems von Menschen, die ähnliche Werten leben, ähnliche Bedürfnisse und Ziele haben und sich so gegenseitig unterstützen und als verlässliche Ressource auf vielen Ebenen für einander zur Verfügung stehen), zum Ressourcenmanagement, zu Verhandlungen und/oder Konfliktmanagement schaffen gesunde Grundlagen für einen nachhaltig gesunden und reflektierten beruflichen Alltag, den wir selbst (und andere) als erfolgreich wahrnehmen.

Diese Art von Beratung und Begleitung von Menschen ist meine Berufung, mein tieferer Lebenssinn und mein Antrieb. Das kann ich außerordentlich gut und mach ich unfassbar gerne.

Andere sehen mich auch als Brücke zwischen den Wissenschaften und dem Yoga, Spiritualität, der Kraft und der Macht des Glaubens und der eigenen inneren Einstellung, bis hin zu spirituellen Heilverfahren wie der Prana-Heilung, die ich selbst praktiziere und mit der ich andere Menschen in ihrer Heilung unterstütze und begleite.

Vieles was früher mystisch und unerklärbar war oder für viele heute noch ist, kann ich aus wissenschaftlicher Sicht greif- und erfahrbar machen. Das sowohl Wissen (Verstand) als auch der eigene Glaube und die eigene innere Einstellung (aus dem Herzen) für Heilungsprozesse, die eigene Gesund- und Zufriedenheit, und letztlich den eigenen Erfolg wichtig sind, ist schon lange und immer wieder wissenschaftlich gezeigt und Bestandteil aller anerkannten psychologischen Therapieverfahren…

Kathrin freut sich sehr, Dich kennenzulernen! Mehr über Kathrin und Ihre Angebote gibt es auf Ihrer Webseite: https://drkathrinmarter.org/yoga/. Hier findest du auch Ihre Kontaktinformationen und kannst Dich für Ihre Kurse anmelden.

Veröffentlicht in Geen categorie.